Ballspielen mit Gigi

Ein Kurzfilm und die Geschichte dahinter. Endlich an nichts mehr denken: Kostbare Momente im Alltag eines Kreativen. Eine kleine aktive Pause in der Werkstatt, eine kurze Interaktion mit einem verspielten Labrador. Manche Ideen entstehen aus der Leere, in Momenten der Entspannung. Nicht identifizierbar, nicht reproduzierbar. Eher Interpretation als Dokumentation. Und weiter geht’s. Ein Film von Lea Edelstein.
Ein Film von Lea Edelstein

Gigi, mein treuester Mitarbeiter, schläft fast den ganzen Tag, sofern keine Ablenkung droht. Beginnt ein Streit über den Zaun mit anderen Hunden, ist er sofort zur Stelle. An der Tür begrüßt er konditioniert mit seiner Baritonstimme jede und jeden, die oder der klingelt. Macht seinen Job, auch wenn er nicht beauftragt wurde. Nur Treppen will er nicht bedienen. Irgendwie sind sie ihm nicht so ganz geheuer. So bleibt meine Ruhe dort oben erhalten. Seine Aktivität steigt dagegen zuverlässig, wenn ich eine Pause suche.

In seiner schläfrigen Letargie sind seine Sinne trotzdem hellwach. Wenn er meine Schritte auf der Holztreppe hört, zischt er durch die Terrassentür in den Garten. Sucht seinen Ball und wartet. Hoffnungsvoll schaut er in Richtung Treppe. Sein Gesichtsausdruck verrät eine ernste Forderung: »Spiel jetzt mit mir Ball!«, scheint seine besorgte Miene zu sagen.

Als erfahrener Labrador wurde er oft enttäuscht. Manchmal hole ich mir nur einen Apfel oder ein Wasser, bevor ich den Aufstiegsweg über die 31 Stufen zurück ins Atelier in Angriff nehme. Fehleinschätzung. Das Ballspielen bleibt dann aus.

Doch Aufgeben ist nicht seine Stärke. In seiner Bedürfnispyramide steht Ballspielen ganz schön weit oben. Als chronisch hungriger Vertreter seiner Gattung belegt jedoch das »Essen« in wiederholter Form die ersten drei bis vier Etagen. Mit erstaunlicher Genauigkeit verrät ihm seine biologische Uhr, wann die Zeit dafür gekommen ist. Und diesmal, das weiß er ganz genau, ist es noch nicht so weit. Mein Blick zu ihm verrät es. Seine Rute wedelt: Diesmal hat er wirklich Glück. Ein paar Mal könnte ich diesmal den Ball durch den Garten schleudern.

Er spannt seinen Körper wie ein Raubtier, das seine Beute beobachtet, bereit, hinterherzujagen. Wird nicht müde und lässt sich von meinen Schießmanövern nicht täuschen. Angespannt, aber geduldig weiß er, dass der Moment kommen wird. Lässt den Ball nicht aus den Augen. Der Ball fliegt. Kaum ist er in der Luft, zischt Gigi los und bringt ihn zurück. Zehnmal, wenn es sein muss. Schließlich gibt es für das Apportieren eine kleine Belohnung. Ein Trost für das lange Warten, bis es wieder so weit ist: Lachskartoffel, Schonkost, 266 Gramm.

Es sind kostbare Momente im Alltag eines Kreativen, endlich an nichts mehr denken zu dürfen. Eine kleine aktive Pause in der Werkstatt, eine kurze Interaktion mit dem Hund. Kreative Ideen entstehen oft in Momenten der Entspannung. Nicht identifizierbar, nicht reproduzierbar. Nur Fragmente der Erinnerung bleiben übrig und werden später zusammengetragen. Eher Interpretation als Dokumentation. Und weiter geht’s.

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